Info
Gute Suchtprävention kann guten Rausch verhindern
Aufklärung und Information spielen in Schulen eine immer wichtigere Rolle
Der moralische Zeigefinger gehört für Marc Riechmann und Paul Binet nicht zum Handwerkzeug.
Die beiden Männer sind Suchtpräventionsteam der Drogen - und Alkohohlberatung im Kreis Herzogtum Lauenburg.
Ihre Aufgabe:
Über Sucht und Suchtverhalten und deren Vermeidung aufklären und informieren.
Ihre Revier:
Schulen, Vereine, verbände und Betriebe.
Ihre Hauptklient:
junge Menschen, aber auch Eltern und Lehrer.
Nein, Moralapostel wollen Paul Binet und Marc Riechmann nicht sein. Wenn sie mit Schülern und anderen Jugendlichen zusammen kommen, steht das Gespräch "auf Augenhöhe" im Mittelpunkt: Vorbeugen und Aufklären, ehe Mädchen und Jungen in den Teufelskreis von Drogen, aber auch der Spielsucht geraten. In den Schulen im Kreisgebiet gehören die beiden Experten schon zum Unterricht. Jeweils in der 5., 7. und 9. Klasse steht Suchtprävention auf dem Stundenplan. "Wir streben eine langfristige Bindung mit den Schulen an", erklärt Marc Riechmann.
Es ist schon ein Erfolg, wenn Jugendliche nach den Gesprächen die Finger von den Drogen lassen, sagen Suchttherapeut Binet und Sozialpädagoge Riechmann. Die Jugendlichen sollen zum Nachdenken über ihr Verhalten angeregt werden, das Bewusstsein schärfen und auch ihren Kenntnisstand erweiten, umreißt Gisbert Stein, Leiter der Alkohol- und Drogenberatung das ziel der Prävention.
Wir sind da um zu informieren, nicht um zu graben, erklärt Paul Binet. Das heißt für ihn und seinen Kollegen: Mit den Jugendlichen sprechen, auch über ihre Erfahrungen mit Drogen. Das müsse aber in einer lockeren Atmosphäre geschehen. In den Schulklassen seien die Lehrer deshalb nicht mit dabei, wenn die beiden Männer in den Klassen sind. Aufklärung wirkt so Paul Binet: Eine Gute Suchtprävention kann einen guten Rausch ruinieren.
Neben den legalen Drogen wie Alkohol und Zigaretten steht Cannabis ganz oben auf der Liste der beliebtesten Suchtmittel im Kreis. Wer glaubte, Haschisch sei etwas für Hippies täuscht sich. Wir haben da nur gefühlte Daten, erklärt Gisbert Stein. Fakt ist, das der Cannabis-Konsum seit 3 Jahren stark ansteigt. Die Droge sei "in" ergänzen Binet und Riechmann. Viele Schüler tragen Kleidung oder Schmuck mit dem Cannabis-Blatt. Für einige Popstars gehört das Symbol zum Image. Zwar zähle Hasch zu den so genannten, "weichen Drogen", erklärt Stein, aber die Folgeschäden seien sehr groß.
Erschreckend: Das Einstiegsalter für Drogen sinkt immer mehr. Suchtprävention beginnt schon in den vierten Klassen. Gisbert Stein:"Je früher die Prävention einsetzt, desto besser". Er hofft, das auch künftig finanzielle Mittel für das wichtige Thema bereitgestellt werden.
Ein Unterschied: Sucht und Genuss
Warum nimmt jemand Drogen, was bringt es Ihm? Solche Fragen gehen die beiden Berater auf den Grund. Oft sei es Gruppenzwang, Geltungsbedürfnis oder Bekämpfung von Stress oder Problemen, die Jugendliche süchtig werden lassen. Deshalb sei es wichtig, Probleme anzusprechen und Alternativen aufzuzeigen. Die Erfahrung zeigt: Schüler, die aktiv sind, viele Hobbys und Interessen haben, sind weniger suchtgefährdet. Als Beispiel nennt Paul Binet Mädchen, die Reiten und sich mit Pferden beschäftigen. Junge Menschen sollen erkennen, dass es einen Unterschied zwischen Sucht, also einer Abhängigkeit, und dem Genuss gebe, zu dem auch der Verzicht gehöre, gibt Gisbert Stein zu bedenken. Deshalb werde bei der Prävention auch keine Abstinenz gepredigt.
Wer mehr über die Arbeit der Alkohol- und Drogenberatung wissen möchte, kann sich unter 04541/891717 informieren.